Tabucchi, Piazza d'Italia.
Piazza d'Italia. Eine Geschichte aus dem Volk in drei Akten, mit einem Epilog und einem Anhang.
| Info | Berlin, Wagenbach, 1998. 22 cm. 187 S. Geb. Zustand: sehr gut. |
| Sprache | Deutsch |
| ISBN | 3803131375 |
| CHF | 9,-- |
4201C.
In seinem Debütroman „Piazza d’Italia“ entwirft Antonio Tabucchi eine tragikomische Volksfabel, die die moderne Geschichte Italiens aus der Perspektive der Verlierer erzählt. Über drei Generationen hinweg folgt das Buch einer Familie von unverbesserlichen Anarchisten und Rebellen, die im fiktiven toskanischen Dorf Borgo für soziale Gerechtigkeit kämpfen. Die Handlung setzt Mitte des 19. Jahrhunderts bei der italienischen Einigung (Risorgimento) mit dem Urvater Plinio ein, der an der Seite Garibaldis kämpft und seinen amputierten Fuss voller Trotz über die vatikanischen Mauern wirft. Seine Nachkommen, darunter Figuren mit symbolischen Namen wie Garbaldo, Quarto und Volturno, setzen diesen generationenübergreifenden Widerstand fort, während das Land zwei Weltkriege durchlebt und die faschistische Ära durchleidet. Sie begehren gegen jede Form von Obrigkeit auf, sei es die königliche Garde, die Faschisten oder die Nachkriegspolizei, was für die einzelnen Familienmitglieder oft in Armut oder einem absurden Tod endet. Zusammengehalten wird diese Dorfgemeinschaft von willensstarken Frauen und dem titelgebenden Hauptplatz, der „Piazza d’Italia“, die als stummer Zeuge den Wandel der Epochen, das Aufstellen und Abreissen von Denkmälern sowie den unaufhaltsamen Verlust einer archaischen bäuerlichen Welt miterlebt. Tabucchi nutzt eine unkonventionelle, nicht-lineare Erzählstruktur aus kurzen, fast filmischen Bildern, die von melancholischem Humor geprägt sind, um ein Stück gelebte Antihistorie abseits der offiziellen Geschichtsschreibung zu schaffen.


